
Hieronymus Bosch, ein niederländischer Maler der Spätgotik, stellte Ende des 15. Jahrhunderts die Erde auf einem Ölgemälde als Scheibe dar, die in einer transparenten Sphäre im Universum schwebt. Bosch war nicht der Einzige, der geglaubt hat, dass die Erde flach ist. (Auszug aus dem Buch: „DUMBs: Von unterirdischen Welten, geheimen Energiewaffen und seltsamen Ereignissen“)
Vor allem in Mesopotamien und bei den frühgriechischen Philosophen Anaximander und Hekations finden sich verschiedene Scheibenmodelle. Sogar im Alten Testament sind unter den Varianten älterer Mythen Fragmente des mesopotamischen Scheibenbildes zu finden.
In der nordischen Mythologie wird Midgard, so die germanische Bezeichnung für die Erde, als Scheibe in einem riesigen Meer beschrieben, in dem die Midgardschlange lebt.
Viele Menschen hatten sogar noch bis weit in die Neuzeit Angst vor weiten Reisen, weil sie glaubten, am Rand der Scheibe in den Abgrund zu stürzen.
Die Erde in Form einer Kugel wurde in der Antike vor allem Pythagoras und dem mythischen König Atlas von Mauretanien zugeschrieben. Aber auch der antike griechische Philosoph Platon ging von der Globusform aus.
Abb. 130: „Kreation“ oder „Die Erschaffung der Welt“ von Hieronymus Bosch, zwischen 1480 und 1490
|
Sein Schüler Aristoteles nannte dafür in seiner im 4. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Schrift „Über den Himmel“ drei gute Gründe:
„Sämtliche schweren Körper streben zum Mittelpunkt des Alls. Da sie dies von allen Seiten gleichmäßig tun und die Erde im Mittelpunkt des Alls steht, muss sie eine kugelrunde Gestalt haben.
In südlichen Ländern erscheinen südliche Sternbilder höher über dem Horizont.
Der Erdschatten bei einer Mondfinsternis ist stets rund.“
Noch in der Spätantike wurde die Globusform der Erde vor allem von christlichen Autoren in Frage gestellt. Der lateinische Rhetoriklehrer und christliche Apologet Lucius Lactantius fand die Vorstellung, dass die Erde eine Kugel ist, allein schon deshalb verstörend, weil seiner Auffassung nach die Menschen auf dem Kopf stehen und der Regen von unten nach oben fallen würde.
Lactantius fand mit seiner Flachen-Erde-Theorie erst im Zeitalter des Humanismus Gehör und Beachtung. Wer es hingegen heute wagt, die Globus-Theorie in Frage zu stellen, gilt gemeinhin nicht nur als Verschwörungstheoretiker, sondern auch als Wissenschaftsleugner.
Spätestens seit 2015 lebt die Diskussion der Flachen-Erde-Theorie wieder auf. Laut einer im Jahr 2018 in den Vereinigten Staaten durchgeführten Umfrage ist ein Sechstel der Bevölkerung nicht hundertprozentig von der Globusform überzeugt. Eine Umfrage in Brasilien kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Hier lehnen sieben Prozent der Bevölkerung die Kugelform ab.
Zahlreiche Vertreter der Flache-Erde-Theorie behaupten, dass die Versuche, die Antarktis zu umrunden, allein nur aufgrund der massiven Eisbarriere gescheitert seien, die die flache Erde umgibt.
Davon war auch der britische Autor Samuel Rowbotham (1816-1884), Gründer der Zetetic Society, ein Vorläufer der Flat Earth Society, überzeugt. In seinem 1849 unter dem Pseudonym „Parallax“ veröffentlichten Werk „Astronomy: A Description of Several Experiments which Prove that the Surface of the Sea is a Perfect Plane and that the Earth is not a Globe!“ geht Rowbotham von der Theorie aus, dass der Nordpol das Zentrum der Welt ist, die Antarktis die Ränder, die in Form riesiger Eiswände verhindern, dass Schiffe und Menschen am Ende des Horizonts von der Erde fallen. Außerdem behauptet der britische Autor, dass die Sonne weniger als 6.400 Kilometer von London entfernt sei.
Der Hauptbeweis, den Parallax für die Flachheit der Erde anführt, betrifft, wie der Untertitel andeutet, Experimente. Nun ja, tatsächlich gibt es Beobachtungen, die auf verschiedene Weise zeigen, dass die Oberfläche von stehendem Wasser nicht konvex ist, dass der Horizont immer horizontal ist, dass die Erdoberfläche für Ballonfahrer konkav erscheint und so weiter.
Der Hauptbeweis, den er für die Existenz einer Eisbarriere am Rande der Welt anführt, ist jedoch die Unfähigkeit der Seefahrer, den Polarkreis zu umrunden.
Abb. 132: Samuel Rowbothams vorgeschlagene Weltkarte aus „Zetetic Astronomy: Earth Not a Globe“ (1865)
|
Dass der Süden ein riesiger Ring oder eine Gletschergrenze ist, geht aus der Tatsache hervor, dass innerhalb des antarktischen Kreises die erfahrensten, wissenschaftlichsten und kühnsten Seefahrer bei ihren Versuchen, ihn auf direktem Weg vollständig zu umsegeln, gescheitert sind.
Aber wenn die südliche Region wie der Norden ein Pol oder Zen-trum wäre, wäre es kaum schwierig, sie zu umrunden, da die Entfernung um sie herum vergleichsweise gering wäre. Wenn man sieht, dass die Erde keine Kugel, sondern eine Ebene ist, die nur einen Mittelpunkt hat, den Norden; und dass der Süden die weite eisige Grenze der Welt ist, sind die Schwierigkeiten, mit denen Weltumsegler konfrontiert sind, leicht verständlich.
Parallax räumte jedoch ein, dass „wie weit sich die südliche Eisregion horizontal erstreckt“ eine Frage sei, „die noch nicht beantwortet werden kann“ und dass „es keine praktischen Beweise für die Ausdehnung des südlichen Eises gibt“. Ungeachtet der Existenz dieser offenen Fragen und des Nichtvorhandenseins tatsächlicher Beobachtungen einer solch praktischen Barriere, wurde die südliche Eisbarriere von Parallax bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts unter Flacherdlern zur allgemeinen Weisheit.
So stimmte beispielsweise Parallax‘ Schüler John Hampden (1819-1891) zu, dass die Erde eine flache Scheibe sei, die von riesigen Eisbergen begrenzt sei. Christine Garwood sagt in ihrem Buch „Flat Earth“ (2007), dass Hampden die Hölle jenseits der Eisbarriere lokalisierte, was eine Doktrin ist, die ich bei Parallax nicht sehe.
Es war übrigens Hampden, der 1870 die britische Wissenschaftsgemeinschaft dazu aufforderte, die „Rundheit“ der Erde zu beweisen. Kein Geringerer als Al-fred Russel Wallace akzeptierte dies und gewann schließlich 500 Pfund von Hampden, der sich jedoch weigerte, seine Niederlage anzuerkennen.
Wallace wusste, dass Dichteänderungen in der Luft direkt über dem Wasser dazu führen können, dass das Licht zum Boden hin gebogen wird, sodass Beobachter Objekte jenseits des Horizonts sehen können. Um die Krümmung der Erde zu demonstrieren, platzierte Wallace eine Reihe von Scheiben auf Säulen entlang des Wasserkanals.
Von einem Ende aus gesehen erscheinen die Scheiben in der Mitte des Kanals etwas höher als die übrigen Scheiben, während die Scheiben am anderen Ende etwas niedriger erscheinen. So vermied er mit seinen physikalischen Kenntnissen die Fehler früherer Experimente und gewann die Wette.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubte auch Wilbur Glenn Voliva (1870-1942) an eine südliche Eisbarriere, wie aus einer Karte hervorgeht, die in den Schulen von Volivas Heimat Zion, Illinois, verwendet wurde. Garwood zitiert eine banale Metapher, die er gegenüber Reportern verwendete: Die Erde sei wie „ein Steak auf einem runden Teller, umgeben von einem Rand aus Kartoffelpüree“. Aber es besteht keine Hoffnung, das Kartoffelpüree zu entdecken, denn „das Wetter ist zu kalt und würde jeden dummen Reisenden davon abhalten, zu weit zu gehen“.
Abb. 133: Karten-Konzept von Voliva
Früher dachte ich, dass Samuel Shenton (1903-1971), der 1956 die International Flat Earth Research Society gründete, die Ausnahme sei. Er glaubte, dass die Erde auf dem Boden einer tiefen Grube in einer endlosen Ebene schwebte, und so nahm ich an, dass die Wände der Grube, und nicht eine Barriere aus Eis, die Ozeane auf der Erde hielten.
Bei einer Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass auch Shenton glaubte, dass es rund um die Erde eine Barriere aus Eis gäbe, vermutlich zwischen der Erde und den Wänden der sie umgebenden Grube.
Charles K. Johnson (1924-2001), der Präsident der International Flat Earth Research Society, akzeptierte ebenfalls die Existenz einer südlichen Eisbarriere. Laut Garwood dachte Johnson, die Barriere sei „150 Meter hoch“, während Robert Schadewald in einem im Jahr 1980 in „Science Digest“ veröffentlichten Profil von Johnson schreibt, dass es sich „angeblich um eine 45 Meter hohe Mauer handelt“. Auf jeden Fall hat es Tsunamis mit höheren Wellen gegeben (zum Beispiel den Megatsunami in der Lituya-Bucht), was darauf hindeutet, dass die Wände deutlich höher sein müssten! (60)
Bis heute glauben Verfechter der Flache-Erde-Theorie, dass die US-Weltraumbehörde NASA eine betrügerische Behörde ist, die der Öffentlichkeit mit gefälschten Bildern weismachen will, dass die Erde rund ist. Einer, der ebenfalls von dieser Vermutung überzeugt ist, ist der 31-jährige Nathan Thompson aus dem US-Bundesstaat Kalifornien.
Thompson glaubt, dass das Eis der Antarktis seit 1961 streng bewacht wird und dass der Schutz des Eises der wahre Grund ist für den Antarktis-Vertrag. Seine „Flat Earth and Globe Discussion Group“ auf Facebook hat mehr als 40.000 Mitglieder – Tendenz steigend.
Der 31-Jährige, der von Beruf Online-Marketingexperte ist, hat eigenen Angaben nach sein ganzes Leben lang geglaubt, dass die Erde rund sei – dann wurde er im Internet vom Gegenteil überzeugt.
Mittlerweile sieht er sich als Wissender und tingelt durchs Land, um seine Erkenntnisse zu verbreiten.
In den Sozialen Medien steigt die Zahl der Anhänger der Flache-Erde-Theorie seit Jahren sprunghaft an. Flat Earth Stationary ist mit 220.000 Anhängern die größte Gruppe auf Facebook. Der Flat Earth Society, die 193.000 Fans hat, haben sich auch schon zahlreiche Prominente angeschlossen.
Mittlerweile existieren mehr als ein halbes Dutzend Theorien, die von einem erschreckend hohen Prozentsatz der Bevölkerung geglaubt werden – und das trotz zahlreicher wirklich überzeugender Hinweise, dass die Erde, wie auch alle anderen Planeten im Universum, eine Kugel ist.
Mond- und Sonnenaufgang sind für Flat Earther lediglich eine optische Täuschung. Demnach wandern Sonne und Mond in einer Kuppel hin und her, wobei die Sonne mit einem Durchmesser von lediglich 60 Kilometer in 5.000 Kilometern Höhe ähnlich wie ein Scheinwerfer jeweils nur einen kleinen Ausschnitt der Erdoberfläche beleuchtet.
Diese Theorie macht es kritisch denkenden Menschen in der Tat nicht leicht, tatsächliche Verschwörungen gegen die Menschheit zu entlarven. Aber vielleicht ist das ja so gewollt, Menschen durch die Verbreitung von unterschiedlichen Randtheorien bewusst zu verwirren.
Tatsache ist, dass die Sonne mit einem Durchmesser von 1.392.700 Kilometer rund 149,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist und dass der Mond einen Abstand von 384.400 Kilometer zur Erde hat.
Auf der Social-Media-Plattform TikTok geht seit geraumer Zeit eine Frage viral: Was wäre, wenn das Gesicht des Mondes ein Spiegelbild der Erde ist? In verschiedenen Videos behaupten Anhänger der Flache-Erde-Theorie, dass der Mond die Erdoberfläche widerspiegelt. Beweisen wollen Theoretiker das, indem sie beide Karten übereinanderlegen. Sie glauben, auf der Moon Map sogar alte Kontinente wie Lemuria und Mu wiederentdeckt zu haben. Daraus könnte man schlussfolgern, dass die Krater auf dem Mond in Wahrheit keine Krater sind, sondern (gespiegelte) Kontinente.
Selbst wenn die Apollo-11-Mondmission nur Fake war, wurde die oben genannte Theorie durch Astronomen schon vor mehr als hundert Jahren widerlegt. Im Übrigen kann jeder mit einem Teleskop den Mond mit eigenen Augen sehen, falls es keine Projektion ist, wie ebenfalls im Internet angenommen wird.
Abb. 134: Die sogenannte Moon Map. Die Theorie existiert nur im Internet. Kein alternativer Forscher hat jemals davon gesprochen. Wenn TikTok oder YouTube das sagen, dann muss es stimmen
Man muss also nicht unbedingt ein Anhänger der NASA sein, die weiß Gott viel Unsinn schreibt und die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes an der Nase herumführt, um diesen Theorien im Netz unkritisch zu folgen. Auch wenn die Wissenschaft in den letzten Jahren durch viele krude, unwissenschaftliche Behauptungen erheblichen Schaden erlitten hat, kann man ihr noch ab und an vertrauen.
Flat Earther behaupten auch, dass es keine Satelliten gibt, doch ohne die würde kein GPS zur Navigation funktionieren, außerdem gäbe es keinen Mobilfunk. Flache-Erde-Theoretiker haben auch keine Antwort auf die Frage, warum auf der Nord- und Südhalbkugel unterschiedliche Sternen-Konstellationen zu sehen sind.
Ein weit verbreitetes populäres Argument, das für die Flache-Erde-Theorie sprechen soll, ist, dass die Erdkrümmung nicht zu erkennen ist. Auch diese Behauptung stimmt nicht. Wenn man nur weit genug von der Erdoberfläche entfernt ist, kann man sie genau erkennen.
Abb. 135: Regelmäßige Werbeaktion von „spaceweather.com“: „Am 26. Januar 2024 brachten die Studenten der Earth-to-Sky-Kalküle dieses Medaillon an Bord eines Forschungsballons für kosmische Strahlung in die Stratosphäre. Am Höhepunkt des Fluges schwebte es 34.000 Meter über den Bergen der Sierra Nevada in Zentralkalifornien.“
Im Jahr 2017 wollte der Taxifahrer Mike Hughes aus dem US-Bundesstaat Kalifornien den Beweis erbringen, dass die Erde flach ist. Eigens dafür baute er aus Schrott eine Rakete zusammen, in der er sich 550 Meter Richtung Weltall katapultieren wollte, um die nötigen Beweisfotos zu machen. Kurz vor seinem Start versprach Hughes: „Ich werde ein für alle Mal die Theorie einer runden Erde widerlegen!“
Das 20.000-Dollar-Projekt wurde von dem Kalifornier über Spendengelder finanziert. Die Beweisfotos wollte Hughes über der Mojavewüste machen, bevor es an zwei Fallschirmen wieder zur Erde zurück ging – doch so weit sollte es nicht kommen. Hughes stürzte ab und verstarb noch an der Unglücksstelle.
Laut der Flache-Erde-Theorie ist der Südpol ein kreisförmiger Ring aus Eis, der die flache Erde umgibt und zu dem man gelangt, wenn man sich von einem beliebigen Punkt der Erde aus auf den Weg Richtung Süden macht.
Auf der Internetseite „Flatearth.ws“ steht Folgendes zu lesen (61):
„Schelfeis ist eine dicke, schwimmende Eisplattform. Schelfeis gibt es nicht nur in der Antarktis, sondern auch in Grönland, Kanada und Russland in der Nordpolarregion. Flat Earthers zeigen oft Bilder von Schelfeis als ‚Beweis‘ für die Existenz der mythischen riesigen Eiswand, die die Erde umgibt. Sie liegen falsch.
In der Mythologie der flachen Erde wird die Antarktis als riesiges eisiges Land am Rande der Erde beschrieben. Angeblich gibt es in der Antarktis eine riesige Eiswand, die die gesamte Erde kreisförmig umgibt. Sie zeigen gerne Bilder dieser angeblichen ‚Riesen-Eiswand‘. In Wirklichkeit handelt es sich um Bilder von Schelfeis.
Schelfeis ist eine dicke, schwimmende Eisplattform, die sich dort bildet, wo ein Gletscher oder eine Eisdecke zur Küste und auf die Meeresoberfläche fließt. Schelfeis ist dick. Die Mächtigkeit liegt zwischen 100 und 1.000 Metern, aber nur ein kleiner Teil davon liegt über dem Meeresspiegel.
Schelfeis hat nichts Geheimnisvolles. Man findet es in beiden Polarregionen, auch in der Arktis im Norden.“
Abb. 136: Der Eiswall bzw. Schelfeis
Ein Video, gepostet auf Facebook und TikTok, zeigt Aufnahmen einer Eiswand und eine Grafik der Erde, dargestellt als flache Erde, mit Union-Jack-Flaggen entlang ihres Umfangs.
In einem Voice-Over im Clip heißt es: „Wenn die Wand der Antarktis einen Umfang von 60.000 Meilen (96.000 Kilometer) hat, was bedeutet, dass der Äquator eine Länge von fast 25.000 Meilen (40.000 Kilometer) hat, dann liegt die Wand rundherum mindestens 200 Fuß über und unter dem Meeresspiegel, abzüglich einiger Risse und Lücken, die zu zusätzlichem Land führen. Hier ist das Militär am stärksten präsent, denn Kriegsschiffe der Marine patrouillieren rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr am 60. Breitengrad.“
Abb. 137: Das „Sommertor“
Eine andere witzige Theorie im Internet heißt „BAWWAABAAT-RA“ (Sommertor), und die lautet wie folgt:
„Diese Theorie basiert auf dem Konzept, dass die Erde tatsächlich viel größer sein kann, als uns gesagt wurde, und es gibt einen Weg, zu diesem anderen Teil zu kommen durch das sogenannte ‚Sommertor‘.
Nach dieser Theorie liegen die äußeren Welten versteckt vor uns, während wir Teil der gehorsamen Sklavenkolonie im inneren Kreis sind (der KONTINENT der Erde).
Es ist eine geniale Illusion, um Menschen in einem begrenzten Bereich einzusperren, damit die Leute nicht einmal daran denken, weiter zu erkunden.
Laut der Theorie schmilzt das Eis während des Sommers in der Antarktis, und das Ergebnis ist ein Loch, durch das die Schiffe auf das offene Meer segeln können, wo andere Kontinente existieren, die uns unbekannt sind.“
Allerdings umfasst die Antarktis nur einen Teil der Landmasse der Erde. Es ist einer von sieben Kontinenten.
Satellitenbilder der NASA, die britische Umweltforschungsagentur Natural Environment Research Council (NERC) und andere, unabhängige Quellen zeigen, dass die Antarktis die Erde nicht vollständig umgibt.
Der Clip der angeblichen Eiswand wurde bereits 2018 mit dem Titel „The Edge Of The FLAT EARTH (Wall Of Antarctica)“ auf YouTube veröffentlicht.
Der Ort wird weder in dem älteren Video noch in den neueren Beiträgen genannt, aber er scheint optisch dem Ross-Schelfeis zu ähneln, der größten schwimmenden Landeismasse.
Die Wand an der Vorderseite des Ross-Schelfeises ist laut „Britannica“ teilweise 50 bis 60 Meter hoch und 800 Kilometer lang. Doch der Großteil des schwimmenden Eises liegt unterhalb der Wasseroberfläche, so das Antarktis-Reiseunternehmen Oceanwide Expeditions.
Die Eiswand wurde im Jahr 1841 von Sir James Clark Ross entdeckt, einem britischen Marineoffizier und Polarforscher, der zu den Ersten gehörte, die sich in die Antarktis wagten, um die Position des magnetischen Südpols zu bestimmen. Als er der massiven vertikalen Eisfront gegenüberstand, bemerkte er bekanntlich:
„Es war … ein Hindernis von solcher Art, dass es in mir keinen Zweifel über unser zukünftiges Vorgehen ließ, denn wir könnten genauso gut durch die Klippen von Dover segeln wie eine solche Masse zu durchdringen. Es wäre unmöglich, sich eine fester aussehende Eismasse vorzustellen. Wir konnten in ihrer gesamten Ausdehnung nicht die geringste Spur eines Risses oder einer Passage entdecken, und der intensiv helle Himmel dahinter deutete nur allzu deutlich die große Entfernung an, bis zu der sie sich nach Süden erstreckte.“
Jenseits dieser riesigen Mauer aus Eis liegen angeblich verborgene Kontinente. Doch ist das wirklich so? Seit den späten 1760er-Jahren erforschen Menschen die Antarktis. Bereits mehrmals in der Geschichte wurde der Kontinent umrundet, was nicht möglich wäre, wenn es tatsächlich eine Eiswand um die flache Erde gäbe.
Deshalb ist die Behauptung, die Antarktis sei eine Eiswand, recht fragwürdig. Doch woher kommt die Idee, dass sich hinter der Eiswand geheimnisvolle und bislang unbekannte Kontinente verstecken?
Im Jahr 1902 erschien im „Florida Magazin“, das zu jedem Monatsersten herausgegeben wurde, die Serie „The Iron Republic“. Sie erzählt die Abenteuer eines gewissen E. W. Barrington, der am 17. Juni 1895 im Hafen von New York zu einer Antarktis-Kreuzfahrt in See stach.
Barrington stößt in seiner faszinierenden Geschichte auf eine befahrbare Passage in der gewaltigen Eiswand, durch die er seine ihm vertraute und bekannte Welt verlässt und zu seiner Überraschung hinter der Antarktis Kontinente, einen unbekannten Ozean und eine ausgesprochen fortschrittliche fremde Zivilisation findet. Das „Florida Magazin“ schrieb in seiner Einleitung:
„Mit dieser Nummer beginnt die bemerkenswerte Erzählung von Herrn E. W. Barrington mit dem Titel ‚Die Eiserne Republik‘. Es ist vielleicht unnötig, dass das Magazin jegliche Verantwortung für den Wahrheitsgehalt dieser außergewöhnlichen Geschichte ablehnt.
Der Autor behauptet, absolute und nachweisliche Beweise für den Wahrheitsgehalt des Artikels an Bord seines Schiffes zu haben, das jetzt in der Bucht von Tampa liegt, aber wir hatten keine Gelegenheit, diese Beweise zu prüfen.
Es ist Herrn Barrington gegenüber nur fair zu sagen, dass er die Öffentlichkeit einlädt, an Bord seines Schiffes zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen. Ob Tatsache oder Fiktion, es handelt sich um eine seltene Geschichte, die ein Gesellschafts- und Regierungsideal präsentiert, das den durchschnittlichen Leser dazu bringt, sich danach zu sehnen, ein Bürger der neu entdeckten Eisernen Republik zu sein.“
Der riesige und mysteriöse Kontinent war schon immer eine Quelle der Faszination, der Verschwörungstheoretiker und natürlich auch der Schriftsteller und Geschichtenerzähler.
Ein Jahr vor der Veröffentlichung von Barringtons Abenteuergeschichten erschien der Roman „Beyond The Great South Wall: The Secret of the Antarctic“ von Frank Savile. Statt geheimnisvoller verborgener Kontinente, steht in diesem Werk eine monströse Kreatur im Mittelpunkt des Geschehens, die Schatzsucher das Fürchten lehrt.
Schreckliche Monster und geheimnisvolle, versunkene Kontinente waren schon zu allen Zeiten Gegenstand von Erzählungen – und sie werden es auch in Zukunft bleiben. Nur werden sie heute im Internetzeitalter anders erzählt als noch vor hundert Jahren. Doch beim genaueren Hinschauen lässt sich sehr leicht erkennen, wer die geistigen Urväter moderner Internetgeschichten sind.
Wie im Dezember 2023: Eine Karte aus einem Online-Kunstforum, die eine flache Erde zeigt, die von Ringen aus Eiswänden umgeben ist, wird von einigen Social-Media-Nutzern als Beweis dafür angesehen, dass der Planet flach ist.
Die Abbildung zeigt die Kontinente im Mittelpunkt, umgeben vom Pazifischen Ozean, dem Indischen Ozean und dem Atlantischen Ozean. Die Ozeane sind von einer Eiswand umgeben, dahinter liegen weitere Ozeane und Kontinente mit mythischen Ortsnamen, darunter Atlantis und Asgard.
Ein Facebook-Nutzer teilte das Bild mit einer Bildunterschrift, die einen Star Wars-Hinweis enthält:
„Ich wurde oft gefragt: ‚Was ist jenseits der Eiswand?‘ Niemand kann sicher sein, was dahinterliegt, denn nur die wenigen Auserwählten haben es jemals gesehen. Hier ist eine Darstellung, die auf Informationen basiert, die aus geheimen Quellen stammen. Viele Bothaner starben, um uns diese Informationen zu überbringen.“
Die Karte war zuvor auf X im Umlauf, wo ein Benutzer das Bild mit dem folgenden Text teilte: „Es ist eine Lüge. Jenseits der Eiswand liegen andere Kontinente. Wir sind im Mittelpunkt. Sie zwangen viele Länder, den Antarktisvertrag zu unterzeichnen, damit niemand in die Antarktis reisen konnte.“
Das Bild wurde jedoch ursprünglich im Februar 2020 in ein Online-Kunst-Community-Forum namens DeviantArt hochgeladen und ist Teil einer Serie mit dem Titel „Die Welt jenseits der Eiswand“.Die Karte ist eine „fiktionale Umgebung“ und Teil einer Serie, die vom „Weltaufbau“ inspiriert ist. Der Begriff „Weltaufbau“ bezieht sich auf die Schaffung fiktiver Welten, die oft mit Science-Fiction und Fantasy-Folklore verbunden sind.
Abb. 140: Die Karte aus der Roman-Serie „Terra-Infinita“
Im 19. Jahrhundert beschrieb „Weltaufbau“ den phantasievollen Bereich von Künstlern und Dichtern. Heutzutage wird es am häufigsten verwendet, um die Entstehung einer völlig neuen fiktiven Welt zu beschreiben.
„Monthly Epitome of British Literature“, August 1805: „Herr Bigland, Autor von ‚Schriften der Geschichtswissenschaft‘ und anderen Werken, arbeitet an einem interessanten Werk – an einem neuen Plan, der von Nutzen ist für Schulen und Jugendliche beiderlei Geschlechts – unter dem Titel ‚Schriften der Naturgeschichte und des Weltaufbaus‘.“
„Monthly Epitome of British Literature“, Oktober 1805: „Das zweite Kapitel über die Entstehung der Insel beginnt mit einigen vernünftigen Betrachtungen über den Einsatz von Theorien zur Entstehung der Erde, in denen der Autor alles hervorhebt, was zugunsten dessen gesagt werden kann, was wir oft als ‚Weltaufbau‘ bezeichnet haben.“
Obwohl es in den letzten Jahrzehnten eine neue Bedeutung bekommen hat, wird das Wort schon seit über 200 Jahren verwendet. Unsere frühesten Beweise dafür stammen aus dem Jahr 1805, als es offenbar hauptsächlich zur Beschreibung der Versuche von Wissenschaftlern verwendet wurde, geologische Formationen zu erklären.
So ist also zu befürchten, dass die Antarktis auch weiterhin zentraler Mittelpunkt von Abenteuergeschichten bleiben wird, schließlich waren es schon immer unwirtliche Landschaften, die nicht nur Schriftsteller, sondern auch Komponisten zu geistigen Höhenflügen inspiriert haben.
Videos:
Quellen: PublicDomain/PRAVDA TV am 27.03.2025

